“Im Monat gehen so über 100 Tonnen Lebensmittel durch unsere Hände.”

Wer an einem Nachmittag an der Drewitzer Straße 22a vorbeikommt, sieht sie schnell: eine Schlange von Menschen, die geduldig warten. Einige mit Einkaufstrolleys, andere mit kleinen Kindern, viele in Gespräche vertieft. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Warteschlange aussieht, steht in Wahrheit für etwas viel Größeres – für gelebte Solidarität. Die Tafel Potsdam e.V. verteilt hier Lebensmittel. Aber eigentlich geht es um weit mehr: um Würde, Gemeinschaft und konkrete Hilfe in einem Alltag, der für viele längst zur Herausforderung geworden ist.

Seit 25 Jahren ist die Tafel Potsdam eine feste Größe in der Stadt. Aus einem kleinen Projekt ist eine Organisation geworden, die heute Woche für Woche tausende Menschen unterstützt. Wir haben mit der Geschäftsführerin Imke Georgiew über die Anfänge, aktuelle Herausforderungen und den Wert der Gemeinschaft gesprochen.

Seit wann gibt es die Tafel Potsdam und wie hat sich die Arbeit entwickelt?

Imke Georgiew: Die Tafel Potsdam wurde vor 25 Jahren gegründet – damals noch als kleines Projekt eines Serviceclubs. Zunächst wurden einmal pro Woche Lebensmittelspenden eingesammelt und ausgegeben. Schnell wurde klar: Das darf nicht einschlafen. Also gründete man den Verein, und die Arbeit wuchs Stück für Stück. Einen ersten großen Schub brachte die Zeit, als viele Geflüchtete aus Syrien nach Potsdam kamen. In dieser Zeit stellten wir unsere Arbeit auf sechs Tage pro Woche um. Weitere einschneidende Momente waren die Corona-Pandemie, in der wir Lebensmittel auslieferten, und zuletzt der Krieg in der Ukraine. Binnen weniger Wochen standen hier dreieinhalbtausend Menschen pro Woche – eine Dimension, die wir auf Dauer nicht leisten konnten. Heute unterstützen wir rund 2.500 Menschen pro Woche an mehreren Standorten.

Wie läuft ein typischer Tag bei euch ab?

Um 7 Uhr morgens rollen unsere vier bis fünf Fahrzeuge vom Hof – immer mit FahrerIn und BeifahrerIn. Sie steuern täglich rund 70 Supermärkte, Großhändler und Lager in Potsdam und im Berliner Umland an. Dort holen sie Lebensmittelspenden ab, von Backwaren über frisches Obst und Gemüse bis zu Kühlware. Ab 10 Uhr übernimmt das Team des Tages. Die Ehrenamtlichen sortieren jede einzelne Ware, prüfen Haltbarkeit und Qualität und packen daraus gleichmäßig bestückte Kisten. Am Nachmittag, ab 15 Uhr, beginnt die Ausgabe – sechs Tage die Woche in der Drewitzer Straße und an weiteren Orten in Werder, Teltow, im Schlaatz oder seit kurzem auch in der Nikolaikirche am Alten Markt. Im Monat gehen so über 100 Tonnen Lebensmittel durch unsere Hände.

Wer sind die Menschen, die Unterstützung bei der Tafel finden?

Unsere Kundschaft ist vielfältig. Viele sind RentnerInnen mit sehr kleiner Rente oder Menschen im Bürgergeldbezug. Andere sind Geflüchtete oder Familien, die Sozialhilfe erhalten. Auch „Aufstocker“ – Menschen, die arbeiten, deren Einkommen aber nicht reicht – kommen zu uns.

Für viele bedeutet die Tafel aber nicht nur Lebensmittel, sondern auch Begegnung. Manche kommen bewusst früher, um Bekannte zu treffen, zu plaudern oder einfach für ein bisschen Abwechslung im Alltag. Das macht die Tafel auch zu einem sozialen Ort.

Wer sind die Menschen, die Unterstützung bei der Tafel finden?

Unsere Kundschaft ist vielfältig. Viele sind RentnerInnen mit sehr kleiner Rente oder Menschen im Bürgergeldbezug. Andere sind Geflüchtete oder Familien, die Sozialhilfe erhalten. Auch „Aufstocker“ – Menschen, die arbeiten, deren Einkommen aber nicht reicht – kommen zu uns.

Für viele bedeutet die Tafel aber nicht nur Lebensmittel, sondern auch Begegnung. Manche kommen bewusst früher, um Bekannte zu treffen, zu plaudern oder einfach für ein bisschen Abwechslung im Alltag. Das macht die Tafel auch zu einem sozialen Ort.

Und wer steckt hinter der Tafel Potsdam?

Ohne Ehrenamtliche würde hier gar nichts laufen. Rund 200 Menschen engagieren sich regelmäßig – SchülerpraktikantInnen, Studierende, Berufstätige, RentnerInnen. Manche sind selbst nach Deutschland geflüchtet und möchten nun etwas zurückgeben. Andere haben eine schwere Krankheit überstanden oder wollen Einsamkeit entfliehen. Wieder andere sind einfach auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe. Diese Vielfalt macht das Arbeiten hier besonders.

Wie legt ihr fest, wer die Tafel nutzen darf?

Zu uns kommen Menschen, die mit ihrem Einkommen nicht mehr über die Runden kommen – egal ob sie Bürgergeld beziehen, eine kleine Rente haben oder trotz Arbeit nur sehr wenig verdienen. Damit wir fair verteilen können, braucht jede Person eine Berechtigungskarte. Diese stellen wir nach Vorlage des Personalausweises und eines entsprechenden Nachweises, etwa eines Bürgergeld- oder Rentenbescheids, aus. Mit dieser Karte kann man dann regelmäßig zur Ausgabe kommen. Jede Person oder jeder Haushalt erhält eine Kiste, die immer mit frischem Obst und Gemüse gefüllt wird und je nach Spendenlage durch Brot, Konserven oder andere Lebensmittel ergänzt wird. Pro Abholung zahlen unsere KundInnen einen symbolischen Beitrag von 4 Euro. Uns ist wichtig: Niemand soll sich für den Weg zur Tafel schämen müssen – Armut kann jeden treffen, und wir helfen, wo wir können.

Mit welchen Herausforderungen habt ihr aktuell zu kämpfen?

Die Nachfrage ist größer als unsere Kapazitäten. Seit einiger Zeit gibt es einen Aufnahmestopp, weil wir schlicht nicht mehr Menschen versorgen können. Gleichzeitig fehlen finanzielle Mittel: Die Stadt hat ihre Förderung gekürzt und 80 Prozent unserer Kosten müssen wir über Spenden decken. Dazu kommen steigende Lebensmittel- und Energiekosten, die viele neue Menschen in Not bringen. Um diese Härtefälle abzufedern, haben wir sogenannte Notfallkarten eingeführt – sie ermöglichen einmalig eine Unterstützung, wenn jemand akut in einer Notsituation steckt.

Was wünschst du dir für die Zukunft der Tafel Potsdam?

Mein großer Wunsch wäre natürlich, dass niemand mehr auf die Tafel angewiesen ist und Menschen nur aus Überzeugung kommen, weil sie Lebensmittel retten und nachhaltiger leben wollen. Realistischer ist aber, dass wir unsere Arbeit so gestalten, dass sie wieder persönlicher und menschenfreundlicher wird. Dazu gehört der Ausbau unserer dezentralen Ausgabestellen – kleinere Orte, näher an den Menschen, mit mehr Gemeinschaft.

Und was ist deine Botschaft an die PotsdamerInnen?

Unterstützt uns weiter so wie bisher! Das Engagement der Menschen in dieser Stadt ist großartig – sei es durch Spenden, durch Ehrenamt oder einfach, indem ihr über unsere Arbeit sprecht. Jede Hilfe trägt dazu bei, dass niemand in Potsdam vergessen wird.

Sprechstunden

(aktuell nur für Härtefälle, siehe Text) Drewitzer Straße 22a,14478 Potsdam (Waldstadt I) Mi 9:30 – 11:30 Uhr Jeden 1. Samstag im Monat: 13-14 Uhr

Ihr wollt helfen?

Für eine ehrenamtliche Mithilfe wendet euch an info@potsdamer-tafel.de

Für finanzielle Unterstützung könnt ihr entweder das Spendenkonto nutzen oder Vereinsmitglied werden und regelmäßig spenden (mind. 3 €/Monat). Den Mitgliedsantrag findet ihr hier: https://potsdamer-tafel.de/ueber-uns/sponsoren-und-spender/

Spendenkonto:

Tafel Potsdam e.V. Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam IBAN: DE93 1605 0000 3502 0266 44 BIC: WELADED1PMB

Ausgabestelle

Potsdam

Drewitzer Straße 22a, 14478 Potsdam (Waldstadt I) Mo-Fr 15-16:45 Uhr, Sa 15:30-17 Uhr

Milanhorst 9, 14478 Potsdam (Am Schlaatz) Di 14:30-15:30 Uhr

Nikolaikirche Potsdam, Am Alten Markt (Innenstadt) Mi 14-15 Uhr

Zeppelinstraße 163a, 14471 Potsdam (Westl. Vorstadt) Do 14:30-15:30 Uhr nur für Rentner

Teltow

Potsdamer Straße 52b, 14513 Teltow (Ecke Mattauschpark) Sa 14-15 Uhr

Werder

Adolf-Damaschke-Straße 105, 14542 Werder Mo-Fr 15-16 Uhr